Wärmewende im Bestand entscheidet sich in der Praxis
Die Dekarbonisierung des Mehrfamilienhausbestands ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe. Sie findet in Technikräumen aus den 1960er-Jahren statt, unter wirtschaftlichem Druck und bei laufendem Betrieb. Genau hier zeigt sich, ob Lösungen skalierbar und tragfähig sind.
In Dortmund-Hacheney haben wir gemeinsam mit DOGEWO21 – Dortmunder Gesellschaft für Wohnen mbH – und Vaillant erstmals die XL-Variante der Energy Unit 2.0 im realen Wohnungsbestand in Betrieb genommen. Das Projekt steht exemplarisch für eine serielle Wärmewende unter konkreten Rahmenbedingungen.
Ausgangssituation: Technischer Handlungsbedarf bei begrenztem Raum
Die beiden Mehrfamilienhäuser aus dem Baujahr 1967 umfassen jeweils zehn Wohneinheiten mit rund 720 Quadratmetern Wohnfläche pro Gebäude. Die bisherige Wärmeversorgung erfolgte über eine gasbasierte Zentralheizung mit 100 kW Leistung.
Nach dem Ausfall eines Wärmeerzeugers war eine zukunftsfähige Lösung gefragt. Der vorhandene Technikraum bot jedoch kaum Platz für eine neue Anlage. Gleichzeitig sollte die Wärmeversorgung für die Mieterinnen und Mieter ohne längere Unterbrechung sichergestellt werden.
Als führendes Wohnungsunternehmen mit klarer Dekarbonisierungsstrategie hat sich DOGEWO21 für die außen aufgestellte, industriell vorgefertigte Energy Unit 2.0 als zukunftsfähige Systemlösung entschieden.






Systemlösung: Energy Unit 2.0 in XL-Ausführung
Die Energy Unit 2.0 ist als modulares „Plug and Heat“-System konzipiert. Planung, Vorfertigung und Qualitätssicherung erfolgen unter standardisierten Bedingungen in unseren Werkshallen. Die Einheit wird anschlussfertig geliefert und vor Ort integriert.
In Dortmund kam erstmals die XL-Variante zum Einsatz:
- sechsstufige Luft/Wasser-Wärmepumpenkaskade
- rund 80 kW Gesamtleistung
- natürliches Kältemittel R290
- zwei Pufferspeicher mit je 800 Litern
- elektrische Zusatzheizung zur Spitzenlastabdeckung
Kompakt, schalloptimiert und quartiertauglich
Gerade im dicht bebauten Bestand sind Schallemissionen und Platzbedarf entscheidende Faktoren. Durch die innenliegende Anordnung der Wärmepumpen und die schallentkoppelte Einhausung liegt der maximale Schallleistungspegel der installierten Anlage bei 64,2 dB(A) im Tagbetrieb.
Mit einer Länge 8 Metern und einer Breite von 3 Metern konnte die Energy Unit 2.0 hinter den Gebäuden positioniert werden. Umbauten im Keller waren nicht erforderlich. Die Gestaltung ermöglicht eine dezente Integration in das Quartier.
Umsetzung im bewohnten Zustand
Die Aufstellung erfolgte per Autokran auf einem vorbereiteten Fundament. Über eine erdverlegte Wärmeleitung werden zwei getrennte Heizkreise versorgt.
Dank des hohen Vorfertigungsgrads konnten wir Aufstellung, Anschluss und Inbetriebnahme innerhalb weniger Stunden realisieren. Die Unterbrechung der Wärmeversorgung blieb entsprechend kurz – ein wesentlicher Faktor im bewohnten Bestand.
Die enge Abstimmung zwischen DOGEWO21, Vaillant und unserem Projektteam war dabei entscheidend für einen reibungslosen Ablauf.
Effizienz und Dekarbonisierung
Mit der Umstellung von Gas auf Wärmepumpentechnologie wird eine CO₂-Reduktion von rund 20,5 Tonnen pro Jahr erreicht. Gleichzeitig verbessert sich die Energieeffizienzklasse der Gebäude von F auf B.
Die erwartete Jahresarbeitszahl liegt bei mindestens 3,5 und zeigt, dass auch im unsanierten Bestand ein effizienter Betrieb möglich ist.
Übertragbares Konzept für die Wohnungswirtschaft
Mit rund 16.400 Wohnungen verfolgt DOGEWO21 eine langfristige Dekarbonisierungsstrategie. Das Projekt in Dortmund zeigt, wie industrielle Vorfertigung, skalierbare Wärmepumpentechnologie von Vaillant und eine strukturierte Umsetzung durch uns wirtschaftlich zusammengeführt werden können.
Die Energy Unit 2.0 ist kein Einzelprojekt, sondern ein übertragbares Systemkonzept für Mehrfamilienhäuser mit 6 bis 30 Wohneinheiten, das sich flexibel an unterschiedliche Leistungsbedarfe, bauliche Gegebenheiten und technische Anforderungen anpassen lässt. Genau darin liegt ihre strategische Bedeutung für die serielle Wärmewende im Bestand.
Technische Projektdaten: Energy Unit 2.0 Dortmund
| 1. Gebäudedaten | |
|---|---|
| Merkmal | Ausführung Dortmund |
| Gebäudetyp | 2 Mehrfamilienhäuser mit jeweils 10 Wohneinheiten |
| Baujahr | 1967 |
| Wohnfläche | ja ca. 720 m2 |
| Alte Heizung | Gas-Zentralheizung, 100 kW (Installation 2008) |
| 2. System- und Leistungsdaten | |
|---|---|
| Merkmal | Energy Unit 2.0 (XL) |
| Baugröße | XL |
| Abmessungen | 7,9 m × 3,0 m × 2,7 m |
| Leergewicht | ca. 6,7 t |
| Wärmepumpen | 6 × Vaillant aroTHERM plus VWL 125/8.1 |
| Gesamtleistung | ca. 80 kW (A-11/W55) |
| natürliches Kältemittel | R290 |
| Pufferspeicher | 2 × 800 l |
| Zusatzheizung | eloBLOCK VE 14, 14 kW |
| Vorlauftemperatur | bis 55 °C |
| Schallleistungspegel | 64,2 dB(A) Tagbetrieb |
| 3. Energetische Kennwerte | |
|---|---|
| Kenntwert | Ergebnis |
| CO₂-Reduktion | ca. 20,5 t/Jahr |
| Energieeffizienzklasse | Verbesserung von F auf B |
| Erwartete Jahresarbeitszahl | ≥ 3,5 |
Das Projekt in Dortmund zeigt, wie sich industrielle Vorfertigung, skalierbare Wärmepumpentechnologie und strukturierte Umsetzung zu einer wirtschaftlich tragfähigen Lösung für den Mehrfamilienhausbestand verbinden lassen.
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